Konzept „Sicher Gebunden“
Entspannte Eltern, Geschützte Kinder

Projektstart: Oktober 2017

 

Übersicht

Ausgangslage und Konzepthintergrund

Vor dem Hintergrund der allgemein bekannten Problemlage im Kontext Jugendhilfe, dass es immer wieder Familien gibt, die über Jahre, manchmal über Generationen hinweg, Hilfen zur Erziehung benötigen, um den Schutz des Kindes / der Kinder zu gewährleisten, bieten wir erstmalig ein bindungs- und traumaspezifisches Konzept an.

Damit wollen wir den Kreislauf der transgenerationalen Weitergabe von entwicklungserschwerenden bzw. –schädigenden Bindungsqualitäten in der Mutter-Kind- / Eltern-Kind-Beziehung zu durchbrechen.

Die Hilfen für sog. „Multiproblemfamilien“, „Familien mit psychisch erkrankten Eltern(teilen)“, „bindungsgestörte Mütter“ müssen meist sehr langfristig, teilweise über Generationen zum Schutz der Kinder hinweg installiert werden, welches immense Kosten für die Jugendämter im Rahmen der Hilfen zur Erziehung (§ 35a, SGB VIII) verursacht.

 

Das Konzept „Sicher gebunden“ setzt an den selbst erfahrenen Bindungsqualitäten von jungen Müttern an und dient der Entwicklung einer entwicklungsfördernden Mutter-/Eltern-Kind-Bindung im pädagogischen Setting. Erst durch selbst erfahrene emotionale Resonanz (also das emotionale Mitschwingen und feinfühlige Reagieren auf die Bedürfnisse des Kleinkindes) sowie eine dauerhafte emotionale Bindung kann sich eine Bindungsfähigkeit entwickeln, die an die nächste Generation weitergegeben wird.

Bindungserfahrungen in der frühen Kindheit, die durch Gewaltbeziehungen (häusliche Gewalt, körperliche Gewalt, sexueller Missbrauch, Entwicklungstraumata), Vernachlässigung oder entwicklungsschädigende Kontextbedingungen (z.B. Armut) geprägt sind, können zu Bindungsstörungen unterschiedlicher Art führen.

Die in der Jugendhilfe anzutreffenden Ausdrucksweisen von Kindern und Jugendlichen, wie delinquentes, kriminelles, unsoziales Verhalten, Drogen-/Alkoholmissbrauch werden als Spätfolgen frühkindlicher Bindungsdefizite gesehen.

 

Unser Präventionskonzept wird eng mit dem Netzwerk Frühe Hilfen und Kinderschutz des Kreises Unna zusammenarbeiten und verfolgt das Ziel, Kindeswohlgefährdungen entgegen zu wirken und die Mutter/Eltern-Kind-Bindung zu stärken. Dabei soll entwicklungsförderndes Bindungsverhalten in der kindlichen Entwicklung so früh wie möglich (0 – 6 Jahre) unter Berücksichtigung besonderer Resilienzfaktoren qualitativ erweitert werden, indem mit der primären Bezugsperson des Kindes als auch mit weiteren Mitgliedern des Familiensystems (Vater/Großeltern/Geschwister) gearbeitet wird.

 

Die Bindungsforschung belegt den Zusammenhang von desorganisiertem Bindungsverhalten und Kindeswohlgefährdung. Auch lässt sich die Klientel der Jugendhilfe in hohem Maße unter bindungstheoretischen Gesichtspunkten erklären. Vor diesem Hintergrund knüpft das Konzept „Sicher gebunden“ des Deutschen Kinderschutzbundes Kreisverband Unna e.V. an die immense Bedeutung der Bindung zwischen Kind und Mutter (Vater) für die kindliche psychosozial-emotionale Entwicklung an. Somit versteht sich das Konzept präventiv als auch reparativ im Durchbrechen des Teufelskreises entwicklungsschädigender innerer und äußerer Einflüsse. Darüber hinaus finden Aspekte der Resilienzforschung, der Psychotraumatologie und der Systemischen Pädagogik/Therapie in Bezug auf die wissenschaftlich belegte Bedeutung von Bindungserfahrungen für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen Beachtung.

 

Über die Stärkung der Mutter- / Eltern-Kind-Bindung soll den Familien der Weg aus den Hilfen zur Erziehung (vielleicht erstmalig seit 1 oder 2 Generationen) ermöglicht werden. Dabei setzt die Umsetzung auf verschiedenen Ebenen an:

Die pädagogisch-therapeutischen Angebote im Rahmen des Konzeptes „Sicher gebunden“ werden sowohl innerhalb einer Systemischen und traumazentrierten Diagnostik, der Systemischen und traumazentrierten Beratung/Therapie sowie einer Rückfallprophylaxe eingebettet und werden individuell mit den Klienten abgestimmt. In der Methodik findet das Prinzip der Ganzheitlichkeit Berücksichtigung, indem sowohl körperliche, geistige, seelische als auch soziale Aspekte Berücksichtigung finden.

 

Die pädagogisch-therapeutische Begleitung und Unterstützung richtet sich an werdende und junge Mütter / Eltern, die selbst schlechte Bindungserfahrungen erlebt bzw. desorganisierendes Bindungsverhalten beobachten lassen. Der Aufbau entwicklungsförderlichen, elterlichen Bindungsverhalten wird mit der Arbeit mit Subsystemen verfolgt. Somit erfahren die Mutter / primäre Bezugsperson, die Mutter mit Kind (bei älteren Kindern auch Kinder zusätzlich alleine), der Vater / Familie getrennt und gemeinsam mit Mutter (und Kind) die pädagogisch-therapeutischen Hilfen im Rahmen des Konzeptes „Sicher gebunden“.

 

 

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© Frank Zimmer

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